Deutsch (DE-CH-AT)English (United Kingdom)Russian (CIS)Italian - ItalyFrench (Fr)Español(Spanish Formal International)
Veranstaltungen
<<  Dezember 2020  >>
 Mo  Di  Mi  Do  Fr  Sa  So 
   1  2  3  4  5  6
  7  8  910111213
14151617181920
21222324252627
28293031   
externe News
Benutzerbewertung: / 135
SchwachPerfekt 
Exkursionen - Moscow-Tour

Moskau, 11.1.2013

mir-energia-2013

Ich habe kaum 2 Stunden geschlafen und muss schon wieder aufstehen. Die verschiedenen Zeitzonen sind Schuld daran. Deutschland ist 3 Stunden weit weg, weil Russlands Präsident Putin die Sommerzeit in seinem Land einfrieren ließ. Man lebt in Russland fortan eine Stunde weiter vom Rest der westlichen Welt entfernt – jedenfalls im Winter. Die Distanz zu Amerikas Eastern Time (ET) ist dann noch einmal 6 Stunden lang. Die Central Time in Huntsville macht dann noch einmal eine Stunde aus. Hier überall habe ich zu arbeiten. So muss man seit dem Abspalten der russischen Winterzeit immer rechnen. Es kommen damit heute 10 Stunden Distanz von Moskau nach Huntsville im Winter heraus. Früher waren es konstante 9 h. Man ist damit in Moskau im Zeitvorteil und kann News sofort am selben Tag in der USA platzieren. Man muss sich nur zwingen sie sofort fertig zu stellen.

Das aber macht nichts aus. Der Tag ist wichtig und somit fällt der Start nicht schwer. Während man in der USA gerade meine News vom Tage in den Nachmittags-Nachrichten liest, breche ich in den noch dunklen Moskauer Morgen des nächsten Tages auf.

Der Geburtstag vom Sputnik-Konstrukteur Koroljow ist eigentlich am 12. Januar. Aber heute hat man ihn vorgezogen, weil er sonst mit anderen Feiertagen in Russland kollidiert wäre. Erstaunlich dieses Management welches Rücksicht auf die Gäste nimmt - die ja gern auf allen Partys sein wollen!

Der Bus holt uns pünktlich vor dem Hause der Koroljows ab. Seine Tochter Natalia, Roman und ich sowie noch ein Freund der Familie und eine offizielle Museums-Führerin sind da. Wir kennen uns inzwischen und haben Erlebnisse auszutauschen. Die Museums-Führerin und der Bus sind extra vom Eigner „RKK-Energia“ für uns abgestellt worden. Seit 5 Jahren sitze ich nun hier drin und kann immer auch eigene Gäste in kleiner Zahl mitbringen. Mal sind es die Familie, mal Schüler, mal Mitglieder unseres Institutes. Diesmal ist es Roman Tarasov.

Etwa eine Stunde später betreten wir das Museum der Firma RKK Energia. Es ist der Raumschiff-Hersteller Russlands. Alle Raumschiffe die Menschen von Russland aus ins All transportiert und dort am Leben erhält, werden hier produziert. Es sind die Sojus-Raumschiffe und alle ISS-Module. Diese Firma wurde von Sergey Koroljow im Jahre 1948 gegründet, als er mit Zügen voller Material aus dem Erbe von Wernher von Braun´s Team aus Deutschland zurück kehrte. Damals war es eine ausgediente Panzerfabrik. Heute arbeiten hier einige der besten Wissenschaftler der Welt. Diese Firma trägt heute den Namen seines Gründers und ist die stabilste technische Säule in der Welt, wenn es um bemannte Raumfahrt seit Gagarin geht.

Wir sehen uns eine Weile im Museum um und fotografieren die Exponate. Leider bleibt dieses Museum vielen Neugierigen verschlossen. Es befindet sich im Inneren der Firma deren Gelände nur mit einer Sammlung von Sonderpässen betreten werden darf. Also fühlen wir uns der „Außenwelt“ verpflichtet und nehmen jedes Mal ein Stück unserer Eindrücke mit und publizieren sie.

korolevs-officevon-brauns-officeDa ist der Arbeitsplatz von Koroljow, der sich kaum von dem des Wernher von Braun in Huntsville unterscheidet. Der Rechenschieber ist der selbe mit der Inschrift: „Eigentum der Heersversuchsanstalt Peenemünde“. Auch der schwere Tisch ist aus dem selben Eibenholz mit einer für seine Zeit modernen Telefonanlage. Nur das Bild an der Wand ist anders. Bei Koroljow hing Lenin.

laika-dogvoschodAuch betrachten wir die ersten Raketen der GIRD-Gruppe, den Sputnik und die Hunde-Raumschiffe mit einer ausgestopften Laika-Kopie darin. Alles ist original, bzw. das Schwester-Raumschiff der in das All gesendeten Hardware. Es zieht sich über viele Sonden hin bis zu den Wostock- , Woßhod- und Sojus-Raumschiffen. Das Originalmodul von Sojus-Apollo steht hier wie dessen Gegenstück im National Air & Space Museum in Washington. Die Raumstation MIR bildet einen krönenden Abschluß. Deren Basismodul ist baugleich mit dem der ISS.

gagarin-capsule-2013diplomDer Raum füllt sich. Vor der Gagarin-Kapsel versammeln sich die Redner. Die Frau Logvinenko, die wir gestern am Tisch hatten, ist auch darunter. Es reden verschiedene Personen. Da sind der Generaldirektor Vitali Lopota, ein Vertreter der Stadt Koroljow, der regionale Sekretär der Partei „Einiges Russland“ und natürlich die Tochter Koroljows, unsere Gastgeberin. Man geht dann zum Hauptteil des Morgens über, der Übergabe von Diplomen und Auszeichnungen an junge Absolventen und Schüler. Ein Mädchen wird als erste aufgerufen. Sie erhält ihr Ingenieursdiplom und freut sich darüber riesig. Danach folgen Studenten und jüngere Schüler im Alter um die 16. Die meisten stehen ein wenig verdattert vor der großen und hoch dekorierten Menge. Ihr schwarzer Anzug sitzt noch nicht perfekt und hängt oft in Falten herunter. Die Blicke sind noch scheu und ausweichend. Aber das wird sich mit dem Start erster eigener Raumschiffe aus ihrer Arbeit legen – so wie bei den Alten. Ein Blitzlichtgewitter geht auf jeden nieder. Man schüttelt die Hände und teilt Blumen aus. Es ist toll, dass sie diese Würde genießen dürfen. Sie alle haben eine gesicherte berufliche Zukunft vor sich. Sie haben es geschafft. Jede Hightech-Firma wird sie nehmen – vor allem aber die Firma Energia – der Raumschiffersteller.

fotograf-energiaAm Ende kommt der Auftritt des eingefleischtesten russischen Raumfahrt-Fotografen. Er kennt alle und jeden: Gagarin, Tereshkova, Leonov, Stafford, Putin, Jesco von Puttkamer und inzwischen auch uns. Er lässt sich kein Motiv entgehen und dirigiert mit lauter Stimme alle hochdekorierten Personen als wären es seine Puppen. Bei seiner Präsenz mit lauter Stimme, dickem Bauch und riesigem Fotoapparat traut sich sogar der Generaldirektor keine Widerrede. Er lässt sich wie alle stumm herumschieben und kommandieren bis der Fotograf die erlösenden Worte sagt: „Spasiba, konjez“ (Danke, das war´s). Alle schmunzeln und haben es genossen.

Nun löst sich die Gruppe auf und strömt zu den Bussen. Jetzt beginnt das, was man im Ausland als überholt betrachtet. Es werden an vielen Orten mit Gedenktafeln und Denkmälern Blumen niedergelegt. Man schreitet in einer Schlange die jeweiligen Orte ab, legt Nelken nieder und gedenkt eine Sekunde dem Vater Koroljow. Busse fahren unter polizeilichem Geleitschutz die Menge durch die Stadt. An der Kremlmauer endet die Tour nach 6 Stops.

r7-2013koroljow-ralfWer die Bilder später im Internet oder in Zeitungen sieht, könnte wirklich denken, dass hier die Sowjetzeit stehen geblieben ist. Aber es ist nicht so. Diese Bilder übertragen nicht das wozu diese Touren wirklich sind. In den letzten 5 Jahren der Teilnahe habe ich alle für unser Vorhaben wichtigen Personen hier kennen gelernt. Es treffen sich die verschiedensten führenden Persönlichkeiten der Raumfahrt. Es sind Ingenieure, Presseleute, Angestellte, Direktoren, Sponsoren, Firmeninhaber. Alle haben einen übervollen Terminkalender und wenig Zeit im normalen Leben. Sie treffen sich höchstens 2 Mal im Jahr auf Messen oder Konferenzen unter hohem Zeit- und Ergebnisdruck. Die Art der Mischung auf der heutigen Tour aber ist einmalig. Sie hat weniger Parallelen und mehr Raumdiagonalen. So etwas findet man auf keinem Fachevent. In den privaten Gesprächen am Rande des Geschehens werden viele Freundschaften gefestigt, neue geknüpft, kühne Ideen ausgetauscht und persönliche Absprachen außerhalb des Protokolls getroffen. Dazu trägt die Ruhe im russischen Winter außerhalb jeder Hektik und das Besinnen auf den großen Koroljow ungemein bei. Ich möchte meinen, dass diese Tour der „Think Tank“ der russischen Raumfahrt ist. Hier werden weitragende Grundsteine und Weichen gestellt.

kremlin-wall-jan-2013Meine Anwesenheit wurde anfangs beäugt. Jetzt, nach 5 Jahren gehöre ich zur Familie. Man begrüßt mich mit „Ralf“ und mit der Nachfrage „Wie geht es Yvonne und den Kindern?“ Ich hake nach und meine „Welche Kinder meinst Du, die großen oder die eigenen?“ Und schon ist das Lachen da und man hat eine Eintrittskarte für ein paar Wünsche.

Um 14 Uhr ist alles vorbei und die Menge löst sich auf dem Roten Platz auf. Nur eine ganz kleine Gruppe bleibt übrig und besteigt unseren Bus. Der fährt nun zu den Koroljows nach Hause.

alle Fotos spaceeducation.eu
weitere Fotos aus der Galerie des Tages

 
Donation
Jetzt Spenden! Das Spendenformular wird von betterplace.org bereit gestellt.
Google-Trans
Links
TV
TV
radio
cancel
SW
nasa-blog
moonbuggy
spacecamp
nasatv
nasaedge
esa
roscosmos
energia
olympics
novosti
ansari
xprize
vga
roncret
lux
russpaceweb